Hoher Qualitätsanspruch an die eigene Arbeit ...

Anton Müsing - über 90 Jahre Unternehmensgeschichte

Die Anfänge

1918 - irgendwo in Ostfriesland: Es regnet, und zwei Männer sind damit beschäftigt, ein Gespann aus dem tiefen Morast zu ziehen. Alltägliche Knochenarbeit in einer Zeit, als Straßen auf dem Lande so gut wie gar nicht vorhanden sind. Die beiden Männer die da schoben und schaufelten, waren Mühlenbesitzer Hermann Mennenga und Anton Müsing. Sie hatten sich nach dem ersten Weltkrieg zusammengetan und ein Transportunternehmen gegründet. Für Anton Müsing war es der Beginn einer bewegten Berufskarriere.

Am 27. Mai 1881 wurde er im rheiderländischen Möhlenwarf (Kreis Leer) geboren, und 30 Jahre später siedelte er sich in Ihrhove an. Bis 1914 arbeitete er bei Hermann Mennenga als Fuhrknecht, angetrieben immer vom Traum, irgendwann ein eigenes Fuhrunternehmen zu gründen.

Der erste Weltkrieg machte diesen Traum zunächst nicht möglich. Nach Ende des Krieges kehrte Anton Müsing mit zwei Pferden zurück und konnte an seinem alten Vorhaben anknüpfen - Der Gründung des eigenen Transportunternehmens.

Gemeinsam mit Mennenga kämpfte er um Aufträge. Der Transport von Sand und Materialien zu Baustellen im ostfriesischen Raum stand im Mittelpunkt des kleinen Unternehmens. Es waren weite und beschwerliche Wege und wohl zu jener Zeit reiften Müsings Gedanken, sich im Straßenbau zu engagieren.

Das Jahr 1930 war für den mittlerweile 49jährigen ein Meilenstein. In der Chronik wird diese Zeit als Gründungsphase der Tiefbauunternehmung festgehalten. Beim Ausbau der Landesstraße 30 zwischen Langholt und Burlage (heutige Gemeinde Rhauderfehn) erstellten Mennenga und Müsing mit ihrer kleinen Firma den Unterbau. Kurz darauf trennten sich die beiden Geschäftsmänner: Anton Müsing wollte sehen, "wer es besser von uns beiden macht", wie sich ehemalige Mitarbeiter erinnern. Schon ein Jahr später beschäftigte Anton Müsing 30 Mitarbeiter. Das aufstrebende Unternehmen konzentrierte sich in dieser Zeit überwiegend auf den Tiefbau. Neben dem Straßenbau wurde gezielt auf den Deichbau gesetzt.

Die Kriegswirren beendeten 1941 die Arbeiten für die Deichverstärkung zwischen Emden und Papenburg. Hier waren jährlich bis zu 40.000 Kubikmeter Erde bewegt worden, ohne jegliche maschinelle Hilfe.

In den ersten Kriegsmonaten nahm die Arbeitslosigkeit in Deutschland rapide ab, was zum Einsatz des zuvor angeschafften Eimerschaufelbaggers führen sollte. Bis 1942 wurden die Deicharbeiten noch fortgesetzt, dann beendeten die Behörden diese Maßnahme wegen des akuten Personalmangels, was zur Dienstverpflichtung des Restpersonals für Bunkerbau führte.

In den beiden letzten Kriegsjahren lag das Unternehmen dann still. Die Geräte waren requiriert, so dass der Neubeginn Schwere Aufgaben in sich trug. Mit zunächst 15 Mitarbeitern startete das Unternehmen in einen neuen Abschnitt.

1947 war das Unternehmen bereits auf 45 Beschäftigte gewachsen. Der Straßenbau spielte in diesen Jahren keine Rolle, zuviel musste "geflickt" werden an den ostfriesischen und emsländischen Deichen. Anfang der 50er Jahre vollzog sich ein erster Schritt auf dem Weg zum Großunternehmen. Mehrere Kipplaster und Bagger wurden gekauft, das Stammpersonal wuchs auf 120 Beschäftigte und der Straßenbau-Bereich wurde vorangetrieben. Diese Entscheidung zahlte sich spätestens 1957 aus, als die öffentliche Hand mehr Gelder für Planung und Bau des Straßennetzes zur Verfügung stellte. Nachdem bereits 1956 erstmals Umsätze jenseits der Millionengrenze erzielt worden waren, gingen diese Zahlen fortan steil bergauf. Die Firma kaufte einen Beton-Fertiger (der noch in den 80er Jahren seinen Dienst tat) und konnte dank der technischen Möglichkeiten künftig mit auswärtigen Anbietern konkurrieren.

 

Wie ging es weiter

Am 1. Januar 1957 wurde die Anton Müsing OHG gegründet. Firmengründer Anton Müsing trat ins zweite Glied zurück und verfolgte bis zu seinem Tode am 23. Februar 1963 die weitere Expansion des Unternehmens, welches nun bereits in der zweiten Generation geführt wurde. 1962 investierte die ostfriesische Firma in eine erste Asphalt-Mischanlage, welche mit einer Kapazität von 45 Tonnen pro Stunde die Firma mit anderen Anbietern konkurrieren ließ.

Die Ihrhover konnten den Umsatz von 3,4 Millionen DM im Jahre 1961 binnen zwölf Monaten fast verdoppeln. Die damalige Geschäftsleitung blieb Ihrer Linie treu: "Stillstand ist Rückschritt" - diese Maxime ist bis heute mit dem Betrieb verbunden. Denn obwohl die Umsatzzahlen in den folgenden Jahren stetig anstiegen, blickte die Unternehmensleitung weiter nach vorn.

1964 wurde die 10-Millionen-Grenze durchbrochen.

Mittlerweile war der Straßenbau neben Flurbereinigung und dem Deichbau die ertragreichste Sparte und die Umsätze stiegen bis 1969 auf 18,5 Millionen DM.

Am 15. Februar 1969 vollzog das Unternehmen die erste Betriebsübernahme. Das 1948 gegründete Bauunternehmen Bunte & Co. in Aurich wird erste Müsing-Tochter. Neun Monate später folgte die Umwandlung der Müsing OHG in eine Kommanditgesellschaft. Die bis dahin größte Einzelinvestition wagte Müsing 1970 in den Niederlanden: Bei der Schiffswerft Bijlsma in Wartena lief der erste Hopperbagger vom Stapel. Die "Anton Müsing" fuhr unter niederländischer Flagge. In Driebruggen/Niederlande gründeten die Ostfriesen am 17. Oktober 1970 die Müsing Transport N.V. Ein Meilenstein in der bis dahin 40jährigen Firmengeschichte war gesetzt, denn der Bereich Nassbaggerei entwickelte sich zu einer "Lebensader" des Unternehmens.

Schon ein Jahr später belief sich der Umsatz der Müsing-Gruppe auf 35,66 Millionen DM, fast zehn Millionen DM mehr als noch zwölf Monate zuvor. Die Expansion schritt zügig voran.

Das Umsatzvolumen bewegte sich mittlerweile jenseits von 60 Millionen DM, Müsing stieg auf zum Großunternehmen. 1981 kam die dritte Generation in die Firma. Der Weg nach vorne wurde fortgesetzt.

1989 betrug der Jahresumsatz knapp 80 Millionen DM, 515 Beschäftigte zählte die Müsing-Gruppe beim Eintritt in die nächste Ära der Firmengeschichte.

 

Neue Ufer

Der 9. November 1989 war für den weiteren Werdegang des Unternehmens von historischer Bedeutung. An jenem Tag fiel die Mauer, und die Müsing-Gruppe setzte fortan auf den neuen Markt im Osten Deutschlands. "Seit der Wiedervereinigung haben wir uns rapide vergrößert.“ analysierte die damalige Firmenleitung.

Ein besonderer Tag für die Firma Müsing ist der 1. Juli 1990: Die Leitung des Familienunternehmens ist in die Hände der vierten Generation gelegt worden.

Die Möglichkeiten im Aufbau Ost erscheinen wirtschaftlicher - zudem kehrt der Betrieb noch einmal zu seinen Wurzeln zurück: Nach der Wiedervereinigung ist die Situation in den neuen Bundesländern vergleichbar mit dem Westen Anfang der 50er Jahre.

So füllt der allgemeine Tiefbau die Auftragsbücher zum großen Teil. Andere Projekte kommen hinzu - die Philosophie der Firmenleitung geht auf: Denn alle Aufträge berühren jeweils die angestammten Bereiche der Müsing-Gruppe. In dieser Zeit ist von allen Beteiligten viel Improvisationstalent erforderlich.

Meist stand vor der Gründung einer Niederlassung die beschwerliche Suche nach Büroräumen und Standorten. Und nicht selten wurde zumindest vorübergehend in Containern gearbeitet.

Die Müsing-Gruppe bewegt sich immer weiter in Richtung eines industriell ausgerichteten Bau- und Dienstleistungsunternehmens. Der allgemeine Tiefbau, die Wurzel der Firmengeschichte, bildete damals nur noch eine von vielen Säulen. Die grundsätzliche Firmen-Philosophie hat sich dadurch nicht geändert. Flexibilität und Kontinuität werden nach wie vor großgeschrieben. An bevorstehende Aufgaben geht die Müsing-Gruppe optimistisch heran, getreu dem Motto:

"Wir gestalten Lebensräume."

Auf Grund der schweren Baukrise von 2000 bis 2004 zergliedert sich das Unternehmen. Doch auch nach dieser schwierigen Situation sind es alt gediente Müsianer, die den Mut für den Neubeginn einer weiteren Anton-Müsing-Ära aufbringen und somit jene Geschichte, die in Ostfriesland begann, weiter fortschreiben.

Es ist eine Kerngruppe am Standort Wolfsburg, die den Namen „Anton Müsing- Wir gestalten Lebensräume“ weiter wach hält.

Die neuen geschäftsführenden Gesellschafter Frank Lindstedt und Thomas Riedel haben am Standort Wolfsburg die Anton Müsing Straßenbau GmbH & Co. KG gegründet.

Entlastet vom Ballast der Vergangenheit, tritt heute die neue Gesellschaft mit solidem kaufmännischem Hintergrund und alt bewährtem Tatendrang dem niedersächsischen Markt entgegen.

Ausgerüstet mit dem neuen Marktverständnis geht Müsing sofort daran neue Geschäftsfelder zu erschließen.

Am 1. Juni 2006 nimmt die neue Anton Müsing Bau-& Maschinenservice GmbH ihre Geschäftstätigkeit auf.